Biografisches: Greta Schoon

Margaretha (bzw. Margareta) Gretina Börcherts Schoon (*11.7.1909 in Spetzerfehn, † 7.3.1991 in Leer). Ab den 1950er Jahren nannte sie sich „Greta“. Im Familienkreis hieß sie „Heti“ bzw. „Tant Heti“.
Vater: Börchert Schoon (6.3.1884 – 17.7.1915)
Mutter: Gesche geb. Herten (12.10.1885 – 17.12.1973)

1915-1919 : Volksschule Spetzerfehn

17.7.1915: Vater Börchert fällt im Krieg.

1919-1926: Höhere-Töchter-Schule/Mittelschule Aurich

1923: Ferienaufenthalt in Den Haag, Brief an ihren Onkel Johann Schoon ( hier abgedruckt )Mit Johann Schoon (1894-1968) und seiner Frau Nanny (1897-1985), die in der Nähe wohnten, war Greta in den 1920er und 1930er Jahren sehr eng verbunden.

1926/27: Wahrscheinlich fällt in diesen Zeitraum Gretas Beziehung mit einem neun Jahre älteren Mann, der sich aber von ihr trennt und bald darauf heiratet. Greta stürzt in eine tiefe Krise, die ihr Leben prägen sollte. Das Verhältnis zu ihrer Mutter, die sie nicht stützt und unterstützt, belastet sie zusätzlich.

1929: Erstes veröffentlichtes Gedicht: Uns eegen Strate (Ostfreesland Kalender); verfasst 1928. Das äußerst eindringliche und stilistisch ausgefeilte Gedicht (wenn auch im üblichen Stabreim) hat sie, nach eigenen Angaben, ohne fremde Hilfe verfasst.

1928-1929: Allgemeine Frauenschule Bremen

1929-1931: Sozialpädagogisches Seminar Bremen
Anschließend Arbeitslosigkeit, Tätigkeit zuhause in Spetzerfehn

1933: (mutmaßl.): Eintritt Diakonissenhaus  Wittenberg / ev. Schwesternschaft

1934 bis Ende 1935 geht Greta Schoon, als Mitglied der Schwesternschaft, nach Brasilien, wo sie in deutschen Kindergärten arbeitet. Bei der „Brasilien-Entscheidung“ hat mutmaßlich ihre Tante und Vertraute Nanny Schoon eine entscheidende Rolle gespielt: deren beste Freundin (Feuke Tjaden aus Wrisse) war schon einige Jahre zuvor, ebenfalls als Mitglied der Schwesternschaft, in Brasilien tätig gewesen.

Nach dem Brasilien-Aufenthalt kehrt Greta Schoon zurück in das „Haupthaus“ der Schwesternschaft in Wittenberg und arbeitet wieder pädagogisch. Hier verlebt sie mehrere schwierige Jahre: Sie fühlt sich innerhalb der engen, kirchlich geprägten Strukturen äußerst unwohl, außerdem möchte sie unbedingt nach Ostfriesland zurück. Diesen Wunsch kann sie aber wegen fehlender Arbeitsmöglichkeiten zunächst nicht realisieren.

1937: Eintritt in die NS-Frauenschaft (NSV). Dies geschah mutmaßlich auf Veranlassung ihrer Tante Nanny mit dem Ziel, die Arbeitsplatzsuche zu erleichtern. Nanny war Leiterin der NSV in Spetzerfehn und NSDAP-Mitglied.

1939: Nach dem Austritt aus der Schwesternschaft Übersiedlung nach Ostfriesland, wo Greta Schoon Leiterin des NSV-Kindergartens Wiesmoor wird.

Juli 1940: BDM-Schaftführerin

12.10.1940: Antrag auf Eintritt in die NSDAP (Mitglied ab 1.1.1941). Das Motiv dafür ist nicht bekannt.

1942 – 1945: Leiterin des NSV-Kindergartens Wittmund

1945: Nach Kriegsende arbeitet sie bis 1950 im elterlichen Betrieb. In dieser Phase Begegnung mit dem Gymnasiallehrer Peter Zylmann. Dieser  bringt sie mit der in Ostfriesland bekannten Schriftstellerin Wilhelmine Siefkes zusammen.

1950: Kindergartenleiterin in Edewechterdamm und Hesel.

1954 – 1959: Kindergartenleiterin in Emden-Transvaal.
Hier entstehen das Martinilied „Mien lüttje Lateern“ und weitere Kinderlieder und -geschichten.

1950: Kindergartenleiterin in Edewechterdamm und Hesel.

1954 – 1959: Kindergartenleiterin in Emden-Transvaal.
Hier entstehen das Martinilied „Mien lüttje Lateern“ und weitere Kinderlieder und -geschichten.

1959: Kindergartenleiterin in Leer.

Greta Schoon wohnt längere Zeit bei Wilhelmine Siefkes. Irgendwann zieht sie abrupt aus und lebt fortan in einer eigenen Wohnung. Überliefert ist dazu der Satz: „Ik kunn unner Wilhelmintje hör Flögels nich waassen“ (Ich konnte unter Wilhelmintjes Flügeln nicht wachsen).

1972: Renteneintritt.

1973: 5-monatige Brasilien-Reise.

1975 – 1981: Mitarbeit in der Erziehungsberatung in Leer.

1977: Buch Kuckuckssömmer, Schuster-Verlag Leer

1979: Künstlerstipendium für Literatur des Landes Niedersachsen

1980: Freudenthal-Preis für plattdeutsche Dichtung

1983: Buch Dat wi överleven. Davids Drucke, Göttingen

1984: Roswitha-von-Gandersheim-Gedenkmedaille

1987: Buch Van de runne Mann. Märchen. Davids Drucke, Göttingen

1990: Ubbo-Emmius-Medaille der Ostfriesischen Landschaft. Der Verleihung war ein längeres Tauziehen „hinter den Kulissen“ vorausgegangen. In der Familie hieß es, dass dabei persönliche Animositäten eine Rolle gespielt hätten. Dass die Auszeichnung gewissermaßen überfällig sei, hatte der Journalist Ewald Christophers 1989 in einem Text zum 80. Geburtstag Greta Schoons [Link: 1989_E.Christophers über GretaSchoon_Ostfriesl.Magazin ] amüsant-ironisch thematisiert.

1990: Buch Dat Bladenhuus. Gedichte und Prosa. Schuster-Verlag Leer

7.3.1991: Greta Schoon stirbt nach kurzer Krankheit in Leer.
Beisetzung auf dem Friedhof Spetzerfehn-Unterende im Grab ihrer Großmutter Margaretha Schoon geb. Mansholt und ihrer Mutter Gesche Schoon geb. Herten. Die Namensinschrift lautet, wie von Greta Schoon zuvor bestimmt, „Margaretha Börcherts Schoon“.

2004: Schulbenennung in Leer: Greta-Schoon-Schule / Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung

2016: Schulbenennung  in Spetzerfehn (Gemeinde Großefehn): Greta-Schoon-Grundschule Spetzerfehn

2017: Aufstellung von Erinnerungstafeln auf dem Friedhof für Greta Schoon und Johann Schoon.

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Quellen: Dokumente und Briefe Greta Schoons (vor allem an Nanny und Johann Schoon), Erzählungen in der Familie sowie eine Kurz-Biografie von Jan Cornelius.